Presseartikel

Das Herdfeuer brennt seit 300 Jahren

Katholisches Pfarrhaus soll 2023 grundlegend saniert werden.

Königsinstrument in neuem Glanz

  • Orgel aus dem Jahr 1950 komplett saniert.
  • Einweihungskonzert am 11. September
  • 3000 Orgelpfeifen überarbeitet
  • Kosten: rund 350 000 Euro
 

Bericht der Weinheimer Nachrichten v. 31.8.16

Orgel in St. Laurentius klingt wie neu

Bericht der Rhein-Necker-Zeitung v. 1.9.16.

Kruzifix ist nach langer Zeit wieder zu sehen.

Bilder: Borgenheimer Bilder: Borgenheimer
Bilder: Borgenheimer

WN v. 19.03.08
Weinheim. Nachdem es Jahre lang unter Efeu verborgen lag, kann das aus dem 19. Jahrhundert stammende Sandsteinkruzifix, das zum Ensemble der Laurentius-Kirche und dem alten Kloster gehört, wieder betrachtet werden.

Biegt man die Rote Turmstraße rechts vor der St.-Laurentius-Kirche ein, so fällt einem das neu sanierte Denkmal mit der Christusfigur auf, das seit Montag dieser Woche wieder die Grundstücksmauer des Pfarrgartens schmückt. "Es war in einem ziemlich maroden Zustand", erzählt Steinmetzin und Restauratorin Birgit Dursy. "Der Sockel, die Christusfigur und das INRI-Zeichen sind noch orginal, sie mussten nur restauriert werden. Aber Stamm und Balken des Kreuzes sind komplett neu." Das Material des Kruzifixes ist aus Maulbronner Sandstein. "Das gibt es gar nicht mehr", verrät die gebürtige Schwetzingerin, die an dem "filigranen Denkmal", wie sie sagt, besonderen Gefallen gefunden hat. Sie zeigt stolz auf die vergoldeten Buchstaben auf dem Sockel, die man nur von der Innenseite des Pfarrhofes aus sehen kann. "Das Besondere an dieser Aufschrift ist der Name des Pfarrers: Dr. Friedrich Kaijser".

Weniger erstaunlich ist der Fund des Kreuzes an sich. Es komme wohl häufiger vor, dass Kruzifixe dieser Art in Restauration gegeben werden. Früher war es gängig, dem Pfarrer der Stadt, der üblicherweise auch im Kirchhof begraben wurde, ein Denkmal wie dieses zu setzten.

Der Stiftungsratvorsitzende Karl-Hermann Schütz ist von dem Ergebnis begeistert: "Es ist eine Überraschung, was da rausgekommen ist". Das Kruzifix sei eine richtige Bereicherung für den Pfarrgarten. Das Bearbeiten von Stein wurde der Bildhauerin in die Wiege gelegt. Schon ihr Vater war Bildhauer und hatte sein Atelier im Schlossgarten von Schwetzingen, wo gewiss nur wenige Kinder ihre Jugend verbringen dürfen. Eines jedoch ist selbst für die geborene Restauratorin noch ungewohnt. Nur selten erlebt man die Weihe seines eigenen Werkes. Dieses wird am heutigen Gründonnerstag, 20. März, an Ort und Stelle um 18.30 Uhr durchgeführt. jg

Restauratorin Birgit Dursy zeigt auf die vergoldete Inschrift, die unter anderem den Namen des damaligen Pfarrers beinhaltet.

Kirchturm wird in "Christo-Manier" verpackt

WN v. 19.10.05

Weinheim. (pro) Restaurator Michael Dursy gerät ins Schwärmen, wenn er über die Handwerkskunst jener Steinmetze berichtet, die 1850 den Turm der St. Laurentiuskirche erbaut haben.
"Das waren unglaublich brillante Handwerker, nie wieder wurde in dieser Qualität gearbeitet", zollt er seinen "Kollegen" von einst höchsten Respekt. Doch auch die Experten des 19. Jahrhunderts hatten kein Geheimrezept, das ein Gebäude - noch dazu einen 55 Meter hohen Turm - vor Umwelteinflüssen bewahrt hätte. Und so steht der imposante Kirchturm jetzt zur Sanierung an.

Die jüngere "Schadensgeschichte" beginnt wahrscheinlich mit dem Sturm "Lothar", der 1999 dem Wetterhahn auf dem Turm "das Fliegen beibrachte". Bei Untersuchungen wurde festgestellt, dass der Turm an etlichen Stellen marode ist. Teile könnten herabstürzen, weshalb die Balustrade bereits mit Gerüst und Netz gesichert wurde. Aber auch an vielen anderen Stellen nagt der Zahn der Zeit an dem gelben und roten Sandstein. 380000 Euro wird die Sanierung voraussichtlich kosten, schätzen die Experten vom erzbischöflichen Bauamt. Zum Glück für die Gemeinde kommt für diesen Betrag die Pfälzer katholische Kirchenschaffnerei Heidelberg auf.

Rund ein Jahr sind für die Arbeiten veranschlagt, berichtete Dursy gestern bei einem Pressetermin, an dem auch Bruno Haun, Architekt des erzbischöflichen Bauamts, Claudia Baer-Schneider vom Regierungspräsidium Karlsruhe und Angelika Thieme vom Weinheimer Amt für Baurecht und Denkmalschutz teilnahmen. Denn der Turm der St. Laurentiuskirche am Marktplatz ist natürlich ein stadtgeschichtlich wichtiges Gebäude, das der Weinheimer Heinrich Hübsch (1795 bis 1862), Großherzoglich Badischer Baumeister, plante. Kurios: Der Turm entstand schon 60 Jahre vor dem Neubau der Kirche, die 1911 bis 1913 erbaut wurde. Die Wurzeln der heutigen Stadtkirche reichen freilich noch viel weiter zurück, nämlich bis ins achte Jahrhundert, als an gleicher Stelle die Kapelle "Maria in den Feldern" stand. 1293 stiftete Hedwig von Swende eine neue Kirche und übereignete sie dem Karmeliterorden, der daneben ein Kloster erbaute. Etwa um 1700 wurde die Kirche dem heiligen Laurentius geweiht. Nach etlichen baulichen Veränderungen entschlossen sich die Verantwortlichen dann zum Neubau der heutigen Kirche, die im Stil einer oberitalienischen Basilika konzipiert wurde.

Von 1981 bis 1994 wurde das Gotteshaus zuletzt umfassend restauriert. Jetzt ist also der Turm an der Reihe, der dazu vollständig eingerüstet wird, inklusive Dach. "Das sieht dann fast aus wie bei Christo", scherzte gestern einer der Experten, während Michael Dursy die Pressevertreter auf der engen Treppe des Turmes nach oben begleitete, wo schon etliche Tauben ihr "Geschäft" gemacht, aber mitunter sogar ihren "letzten Flügelschlag" getan haben. Auf der Balustrade erkannte dann auch der Laie die tiefen Risse im Sandstein.

80 Tonnen schweres Stahlgerüst (WN v. 15.3.06)

Weinheim. (pro) Für den 42,50 Meter langen Weg nach oben braucht der wahrscheinlich längste Fahrstuhl Weinheims gut zwei Minuten. Dann steht man auf der Balustrade des Turmes der Laurentiuskirche, die seit Oktober saniert wird. Ein atemberaubender Rundblick entschädigt für das mulmige Gefühl, das sich bei der gemächlichen "Cabrio-Fahrt" am Baugerüst beim Laien einstellt.
Die Experten - allen voran Restaurator Michael Dursy und Dachdeckermeister Werner Schilling - hatten damit natürlich kein Problem, als sie gestern gemeinsam mit dem Bauherrn und den Denkmalschützern den Turm in Augenschein nahmen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Bis August wird die Sanierung voraussichtlich dauern; dass der Schlosshof bis zur Kerwe wieder frei ist, konnte Dursy jedoch nicht versprechen. Auch die Verwaltungsspitzen Heiner Bernhard und Torsten Fetzner ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, ihre Stadt von oben zu betrachten. Beeindruckt zeigten sie sich nicht nur von der Handwerkskunst des Turmes, sondern auch von der Statik des Gerüstes. Schilling lieferte dazu die Fakten: Sechs Wochen - inklusive Frostpausen - dauerte der Aufbau, allein die Statikberechnungen kosteten 15000 Euro. Denn das Baugerüst steht nur im Schlosshof auf dem Boden; wegen der direkt angrenzenden Nachbardächer sind die übrigen drei Seiten frei tragend. 80 Tonnen Stahlrohr waren nötig, um den Turm einzurüsten. "Auch für einen alten Hasen wie mich war das Neuland", schmunzelte Schilling.

WN v.13.4.2010

St. Laurentius: Die Steinmeyer-Orgel erklingt seit 60 Jahren in der Kirche / Morgen Abend Festkonzert mit Prof. Daniel Roth

Groß und Klein machen hier Musik

 
 

Die kleinste Pfeife istwenige Millimeter groß, die größte bis zu fünf Meter. Gemeinsam lassen sie wundervolle Klänge ertönen.

Weinheim. 60 Jahre sind vergangen seit im April 1950 die neue Steinmeyer-Orgel der St. Laurentiuskirche eingeweiht wurde. Unmittelbar nach der Währungsreform hatte sich die St.-Laurentius-Gemeinde unter großen finanziellen Opfern zu diesem Neubau entschlossen, noch bevor die im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten Glocken wieder beschafft worden waren. Das alte Instrument aus dem Jahre 1913 hatte so viele Mängel, dass eine Reparatur nicht empfehlenswert war. Nahezu die Hälfte der Pfeifen sowie der Hauptteil des Prospektes stammte aus der Orgel von 1870. Das Holz war wurmstichig geworden, der zum Spielen notwendige Luftdruck reichte wegen Undichtigkeiten nicht mehr aus. Außerdem war der Klang des Instruments zu schwach für die große Kirche. Mit dem Bau einer vollständig neuen Orgel beauftragt wurde die Firma Steinmeyer aus Oettingen, die sowohl für ihre sorgfältige handwerkliche Arbeit, als auch für ihren meisterhaften Intonateur Hans Röttger weltweit bekannt war. Entsprechend groß war die Anerkennung in der Fachwelt, als das Instrument - einer der ersten größeren Orgelneubauten der Nachkriegszeit in Südwestdeutschland - am Palmsonntag 1950 eingeweiht wurde. Besonders hervorgehoben wurde die sorgfältige Arbeit, die für jene Zeit sehr fortschrittliche, aber auch heute noch völlig befriedigende Registerzusammenstellung und die meisterhafte klangliche Anpassung des Instruments an die akustischen Eigenschaften des Raumes. Im Jahre 1982 wurde die Orgel überholt und erweitert. Sie umfasst jetzt 44 Register (44 Pfeifenreihen mit eigener Klangfarbe) mit nahezu 3000 Pfeifen, verteilt auf drei Manuale und Pedal. Die kleinsten dieser Pfeifen sind nur wenige Millimeter groß, die größten beinahe fünf Meter. Mit ihnen werden in der Höhe und in der Tiefe die Grenzen des menschlichen Hörvermögens erreicht. Im gleichen Jahr wurde auch eine elektronische Speicheranlage (Setzer) eingebaut, eine technische Hilfe für den Spieler, mit der er vor Beginn des Spielens zahlreiche Registergruppierungen zusammenstellen, speichern und im gegebenen Zeitpunkt abrufen kann. Seit 1950 erklingt die Orgel an jedem Sonn- und Feiertag im Gottesdienst, früher auch an vielen Wochentagen, insgesamt schon weit über 10 000 Mal. In mehr als 100 Konzerten diente sie zur Wiedergabe der großen Werke der Orgelmusik. Der „Geburtstag“ der Orgel ist der Anlass für ein festliches Jubiläumskonzert am Mittwoch, 14. April, um 20 Uhr. Es spielt einer der weltweit führenden Organisten, Prof. Daniel Roth, Titularorganist der großen Cavaillé-Coll-Orgel (102 Register, 5 Manuale) von St. Sulpice, Paris. Das Programm ist ganz auf den freudigen Anlass abgestimmt und lässt die vielfältigen Klangmöglichkeiten der Steinmeyer-Orgel hören. 
Eintrittskarten gibt es an der Abendkasse. Die Konzertbesucher sind nach dem Konzert zu einem Empfang im Raum 2 des Pfarrhauses eingeladen. Sie haben dabei die Gelegenheit, mit dem Künstler und untereinander ins Gespräch zu kommen.